image15
Home > Home > Leichtathletik > Geschichte

Geschichte

LEICHTATHLETEN

vom Vorstand der Sektion

Geschichten, die das (Vereins-) Leben schrieb

Damals – man schrieb den 13. Juni des Jahres 1975 – konnte noch keiner ahnen, welche historische Bedeutung diesem Treffen vorwiegend junger Laufrebellen dereinst zukommen würde. Alle waren sie gekommen, um an diesem Abend im Restaurant "Klein Schönberg" der Läufergruppe des BTV Chur anlässlich der ersten Generalversammlung auch offiziell das Leben einzuhauchen. Im Hinterzimmer dieser Spelunke, gelegen am Rande des idyllischen ruhigen Loequartiers, das wie kaum ein anderes die Durchschnittlichkeit des Mittelstandes einatmet, wurde an diesem Abend zu fortgeschrittener Stunde im schummrigen Licht der spärlichen Beleuchtung Überdurchschnittliches in die Wege geleitet; es war der Beginn einer Entwicklung, in der Bedeutung höchstens noch mit dem Rütlischwur 1291 vergleichbar: Nichts mehr und nichts weniger als des schriftlich belegbaren Anfangs der späteren Leichtathletik-Sektion initiierte dieses Treffen im "Deckta Brünnali", wie die Znüni-Beiz der Handwerker von den "Mehrbesseren" im Quartier oft mit leicht abschätzigem Unterton genannt wurde.

Angefangen hatte allerdings alles schon viel früher. Im über Gebühr heissen Herbst 1972, die Olympischen Spiele in München waren ohne ihn zu Ende gegangen, entschloss sich Fredy Berger, der ausdauerndste Pöstler der Schweiz, eine Trainingsgemeinschaft laufbegeisterter Jugendlicher zu gründen. Lange bevor die Modewelle "Jogging" auf den alten Kontinent übergeschwappt war, schrieb Berger alle Vereine an, Jungtalente doch in das gemeinsame Lauftraining zu schicken. Wegen akuter Rückenschmerzen jäh aus allfälligen Marathon-Olympiaträumen geweckt und zum Rücktritt vom aktiven Leistungssport gezwungen, steckte der vom Laufvirus infiszierte von nun an die Laufjugend an. Der Magie seiner legendären Begeisterungsfähigkeit konnte sich in der Folge kaum einer entziehen – auch wenn fürs erste im Herbst 1972 schliesslich nur einer aus einem anderen Verein anbiss: Der KTVer und ehemalige Jugendriegler Christoph Schmid – bald nur noch unter dem Künstlernamen Boffe bekannt – meldete sich zum Training in Fredys Laufteam; auf Empfehlung des Kantiprofessors und damaligen KTV-Promotors Christian Kasper übrigens, der im fortgeschrittenen Pensionsalter später als Hochsprungtrainer von Sieglinde Cadusch (Siegi) in der Leichtathletiksektion des BTV selber auch noch eine tragende Rolle spielen sollte.

Der Zampano meldet sich "zur Lage der Nation" oder der Beginn der Unabhängigkeitskämpfer

Von 1972 bis 1975, in den drei Jahren bis zur ersten GV, konstituierte sich aus einer laufbegeisterten Horde junger Individualisten dann schnell ein zielstrebiger Zirkel von Leistungssportlern, die wussten, was sie wollten. Und trotzdem wurde auch der Kameradschaftspflege stets gebührend Rechnung getragen; denn wie immer, wenn sich Minderheiten benachteiligt fühlen – und das fühlten sich selbstredend die Läufer aus Fredys Team im BTV – raufen sich selbst die heterogensten Sippen zu einer Gemeinschaft zusammen. Das auf diese Weise mitgeförderte Zusammengehörigkeitsgefühl macht bekanntlich besonders stark. So entstand mit Sicht auf das zunehmend erlahmende Engagement der Aktivsektion, der die Läufergruppe gemäss den damaligen Statuten angehörte, bald einmal ein Verein im Verein. Da wurden Emotionen geweckt, die bereits damals ersichtlich werden liessen, dass die offizielle Gründung von Fredys Läuferteam 1975 nur die erste Stufe der Entwicklung zu einer selbstständigen Untersektion sein würde.

Und so kam, was kommen musste: rebellische und mit aller Konsequenz ausgetragene Unabhängigkeitskämpfe. Bereits im Januar 1976, noch kein Jahr war seit der ersten GV der Läufertruppe vergangen, als auf dem Mitteilungsblatt 1/76 Fredy, der sich "zur Lage der Nation" des öfteren mit seinen Rundschreiben "vom Häuptlingsdiwan oder Häuptlingswigwam" meldete, die Gruppe darüber orientierte, dass er als Läufertrainer demissioniert habe und aus dem BTV Chur ausgetreten sei. Der grosse Zampano sieht als mögliche Lösung der aufgetretenen Probleme – mangelnde finanzielle Unterstützung – die Gründung eines Läufervereins oder die Gründung einer selbständigen Untersektion: "Bis es soweit ist, kann ich Euch nicht mehr betreuen, meine Demission hätte sonst ja keinen Sinn gehabt. Sind zu diesem Problem irgendwelche Fragen zu stellen oder Vorschläge anzubringen, so wendet Euch bitte an Christoph Schmid, er hat vom Vorstand der Läufergruppe alle Vollmachten, das beste für die Athleten herauszuholen."