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Geschichte

BEHINDERTENSPORT

vom Vorstand der Sektion

 

Es lebe der Behinderten – Sport

Bis zu meinem 20. Altersjahr hatte ich nie Kontakt mit behinderten Mitmenschen. Im Alter von zwei Jahren musste mir als Folge eines Geburtsgebrechens das rechte Bein amputiert werden. So bin ich sozusagen mit meinem Gebrechen aufgewachsen, ja damit verwachsen. Wenn ich auch eine glückliche und schöne Jugendzeit verbringen konnte, so litt ich als sehr bewegungsfreudiges Kind doch oft darunter, dass ich keinen Sport treiben durfte. Meine Eltern und auch Lehrer hatten es mir aus Angst, es könnte mir etwas zustossen, verwehrt. Niemand gab mir eine Anregung. So war nicht meine Behinderung der Hemmschuh, sondern das Verhalten der Umwelt versperrte mir den Weg zur vollen Entfaltung. Als frischgebackene Kindergärtnerin regte sich in mir immer heftiger der Wunsch, mich körperlich zu betätigen. Aber wo? Mit wem? Hatte ich doch nicht zur Genüge erlebt, dass ich während der Turn- und Schwimmstunden in der Schule und später im Seminar oft zuschauen musste, während die anderen sich froh bewegten. Bis ich eines Tages durch meinen Vater Bruno Rüegg, ebenfalls amputiert, kennenlernte, der mit den gleichen Schwierigkeiten und Problemen zu kämpfen hatte. Im Gegensatz zu mir hatte Bruno sein Bein bei einem Arbeitsunfall verloren. Durch Ärzte und Therapeuten wurde er auf den Schweiz. Verband für Behindertensport aufmerksam gemacht. Wie? Das gibt es wirklich? Ich konnte es kaum fassen. Unser Entschluss stand fest: Wir wollten in Chur eine Behindertensportgruppe (BSG) gründen. Bei der BSG Glarus durften wir sozusagen in die Schnupperlehre und bekamen somit Einblick in unser neues Wirkungsfeld. Bruno nahm Kontakt auf mit dem Bürgerturnverein Chur (BTV) und trommelte durch Zeitungsartikel Leidensgenossen zusammen. Während Rösli Möhr und Vincens Derungs, beides BTV-Mitglieder, und ich den Behindertensport-Leiterkurs in Magglingen besuchten, versammelten sich am 21. Juli 1964 einige Gesinnungsfreunde im Restaurant. Annahof zur ersten Kontaktaufnahme. Am 22. September 1964 war es soweit. An der Gründungsversammlung waren Bieler Irma, Rüegg Bruno, Burkhard Gertrud, Cedraschi Italo, De Carli Dora, Illien Christian und Merkli Lucia mit dabei.

Vorerst beschränkten wir uns auf den Turnbetrieb in der Daleuturnhalle. Ein Jahr später ermöglichten wir jedoch unseren Mitgliedern, deren Zahl immer mehr zunahm, alle 14 Tage eine Schwimmstunde in Bad Ragaz. Im Jahre 1970 kam noch zusätzlich wöchentlich eine Schwimmstunde im Hallenbad Domat/Ems dazu, da wir erkannten, wie gesund und wichtig dieser Sport für unsere Mitglieder ist.

Ohne den unermüdlichen Einsatz des BTV hätten wir es nie geschafft! Der Transportdienst wurde vom BTV vorbildlich organisiert, Helfer und Leiter wurden der stets wachsenden Sportgruppe zugeteilt.

Dank all den tatkräftigen Stützen und Gönner konnten die Schwimmstunden der Beratungsstelle für CP-Kinder von unserem Verein übernommen werden.

Bei allem Erfolg konnte ich meine Jugendzeit nicht vergessen; deshalb freute es mich ganz besonders, dass ich im Januar 1969 eine Kinderturngruppe gründen durfte. Nach sechs Jahren mussten wir die Jüngsten unserer Vereinsfamilie in zwei Gruppen einteilen, da die Teilnehmerzahl stark zugenommen hatte. Nelly Hartmann, Rosmarie Arioli, Frl. Frei und Klara Brändli betreuten mit mir die frohe, muntere Kinderschar, die immer mit vollem Einsatz dabei war.

Mit den geistig Behinderten aus der Eingliederungswerkstatt, die im Mai 1974 zu uns gestossen sind, konnte ich viele frohe Stunden bei Sport und Spiel verbringen. Klärli Enzler brachte frischen Wind in unseren Verein. Sie formierte die Sitzballer zu einer schlagkräftigen und erfolgreichen Gruppe. Nach zehn Jahren bereits war unsere Behindertensportgruppe auf 120 Mitglieder angewachsen. Der beste Beweis, dass Sport für Behinderte einem grossen Bedürfnis entspricht.

Neben Turn- und Sportbetrieb wurde auch die Kameradschaft gepflegt. Nach dem Turnen traf man sich zu einem frohen Schwatz im Vereinslokal. Alljährlich kam auch St. Nikolaus und bescherte die tapferen Sportler und spornte sie zum Weitermachen an.

Die besten Zugpferde waren stets unsere Präsidenten: Bruno Rüegg, Kurt Manz und vor allem unser langjähriger Präsident und heute Ehrenpräsident Luis Cadruvi. Es freut mich, dass der heutige Präsident Gion Decurtins unseren Verein mit Elan und Initiative souverän und mit Feingefühl leitet.

Schliessen möchte ich mit einem Wort unseres lieben Luis Cadruvi: "Es lebe der Behinderten-Sport".