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Geschichte

                                                         Die Seniorenriege

                                                                                                      von Edy Joller

Anfangs dieses Jahrhunderts bestand der Bürgerturnverein Chur nur aus der Aktivsektion und der Männerriege. Aus unterschiedlichen Überlegungen fand ein Grüpplein prominenter BTVer, dass eine Zwischenstufe zwischen den beiden ursprünglichen Polen geschaffen werden sollte. Die Angelegenheit wurde heftig diskutiert. Trotz der starken Gegnerschaft, die mit dem Haupteinwand aufrückte, eine solche neue Riege, wie sie geplant sei, sich sehr zum Nachteil der Aktivsektion auswirken werde, kam die Gründung dieses jüngsten Sprosses des BTV im Jahre 1932 zustande. Die Befürworter stellten sich auf den Standpunkt, dass es dem Verein nur zum Vorteil gereiche, wenn den sich vom Aktivsport zurückziehenden Mitgliedern Gelegenheit geboten werde, in einer ihnen zusagenden Form und verminderter Beanspruchung, sich weiterhin turnerisch zu betätigen.
 
Die Initianten für die neue Riege waren Gion Held, Louis A. Coray, Paul Nutt, Ernst Stamm, Ernst Sandmeier, Christian Carisch, Sepp Wilhelm, Hermann Risch und Giacomo Tizzoni. Anfänglich wurde jeweils am Mittwoch Abend in der Kantonalen Turnhalle im Sand geturnt und das Turnen wurde mit viel Elan aufgenommen, sodass es schien, eine verheissungsvolle Sache zu werden. Den Geräteturnern war nun Gelegenheit geboten, sich in ihrer Sparte nach Lust und Laune zu betätigen. Die Lust fing leider bald an zu verblassen, denn das Turnen war freiwillig und nicht in geordneten Bahnen aufgebaut. Die Lust flackerte hie und da noch etwas auf, ober sie erlosch wieder. Erst als neue Kräfte sich einzusetzen begannen, ging es mit der Riege wieder aufwärts. Die Altersriege - so wurde sie bei der Gründung getauft und erst später wurde sie in «Seniorenriege» umbenannt, weil sich die Mitglieder noch nicht zu den Alten zählen wollten - wurde zum Reservoir für die Aktivsektion, wenn es galt. die Reihen der Aktiven für die Teilnahme an Festen mit zuverlässigen und trainierten Turnern aufzufüllen. Ferner sassen die Seniorenriegler oft mit Rat und Tat am Vorstandstische und leiteten zeitweise sogor die Vereinsgeschäfte. Immer, wenn der Ruf für eine Arbeitsleistung an die Senioren erging, ertönte als Antwort ein freudiges Ja. 

Eine schöne Zusammenarbeit bot sich im Jahr 1952, als die Alte Turnhalle im Stadtbaumgarten abgebrochen wurde und das neue Schulhaus gebaut worden war. Die Stadt hatte die bewiligten Kredite bereits aufgebraucht, sodass der Turnplatz nicht planiert werden konnte. Der Seniorenriegler Friedrich Wieland, der beim städtischen Bauamt Bauführer war, organisierte einen Frondienst. Unter seiner fachmännischen Leitung wurde während 10 Tagen jeden Abend von 19.00 bis 21.00 Uhr geschaufelt und gepickelt. Das Werkzeug stellte das Bauamt zur Verfügung. Dank seiner Beziehungen halfen verschiedene Baufirmen gratis mit ihren Lastwagen und Maschinen samt Bedienung. Wie nicht anders zu erwarten, war das ein gelungenes Werk. 

Bis 1942 war die Seniorenriege ein loses Gebilde. Erst als die Aktivsektion das 100-jährige Jubiläum feiern konnte, wurde ein Vorstand gebildet. Lei der konnte kein Dokument gefunden werden, das diesen Akt festhielt. Man weiss nur, dass Rodo Bivetti als Präsident und Gion Held als Leiter der Turnstunden gewählt wurden. Gion Held war zwar bereits seit dem Anfang der Seniorenriege als Vorturner tätig. Die Zeit des Zweiten Weltkrieges brachte auch der Seniorenriege grosse Probleme. Oft waren die Mitglieder im Militdrdienst oder beim Luftschutz, oder die Turnhallen waren vom Militär besetzt. Da tat der beim Restaurant Calanda am Postplatz aufgestellte Anschlagkasten gute Dienste. Hier konnte man erfahren, ob und wo die Turnstunden durchgeführt werden konnten. 

Rodo Bivetti tritt als Präsident zurück und Louis A. Coray wird für dieses Amt gewählt Coray demissioniert seinerseits an der Generalversammlung vom 13. Januar 1962 im Restaurant Rosengarten. Als Nochfolger stellte sich Richard Schneller zur Verfügung. An dieser Generalversammlung wurde der Vereinsbeitrag auf Fr. 5.- plus Fr. 1.- für die Unfallversicherung festgesetzt. Damals wies die Kasse ein Guthaben von Fr. 78.35 auf. Dem Vorstand gehörten ferner Vinzi Derungs, Jürg Jenatsch, Christian Schuhmacher, Hans Gyger und Friedrich Wieland an. 
Sukzessive war das Interesse der Senioren für das Geräteturnen geschwunden und das Spiel trat in den Vordergrund. Als Jürg Jenatsch aus Amerika, wo er Iängere Zeit gearbeitet hatte, zurückkam, brachte er die Grundlagen für das Volleyballspiel mit und führte das Spiel bei der Seniorenriege ein. Den damaligen Senioren gefiel das Spiel sofort, weil es viel Bewegung erfordert, aber nicht körperbetont ist. Auch heute wird an jedem Turnabend nach einer viertelstündigen Einlaufphase mit grossem Einsatz Volleyball gespielt. Allerdings wird nach sehr vereinfachten Regeln gespielt. Meistens werden geführte Bälle nicht abgepfiffen. Früher hatte die Seniorenriege noch Ambitionen. Am Bündner-Glarner Kantonalfest vom Jahr 1962 hatte die Seniorenriege über sämtliche Gegner gesiegt. Dagegen hiess es an der Generalversammlung vom Februar 1969, wenn wettkampfmässig gespielt werden sollte, dann würde unser Spiel zerhackt. 

Ab 1965 nahm Hugo Marconi den Platz des zurückgetretenen Jürg Jenatsch ein und ab 1966 betätigte sich auch Paul Schneller in der gleichen Funktion. Walter Koch wurde zum Vergnügungschef ernannt. Er organisierte zusammen mit seiner Frau verschiedene gut gelungene Familienabende, so im Duc de Rohan, im Restaurant Kasernenhof, im Freieck und im Hotel Stern.  Beni Niggli lieferte grosszügig die Musik dazu. Leider trat der allgemein  geschäzte Vinzens Derungs als Vorturner an der Generalversammlung des Jahres 1971 zurück, weil er sich beim Behindertensport voll engagiert hatte. Die Generalversammlung vom 16. Mai 1973 leitete Richard Schneller zum letzten Mai als Präsident. Aus einem Vierervorschlag ging dann Reto Balzarini als neuer Präsident hervor. Ab 1975 übernimmt Edy Joller die Vereinskasse von Christian Schuhmacher und der Aktuar Hagi Gyger demissioniert, denn er hatte das Amt seit 1961 inne. An seine Stelle wird Karl Gächter gewählt. 

Im Jahr 1977 hatte keine Generalversammlung stattgefunden, weil die Mitgliederzahl und der Besuch der Turnstunden stark rückläufig waren. Im Jahresbericht des Präsidenten vom 15. März 1978 heisst es, dass an zwei Übungen nur je drei Turner erschienen seien. Reto Balzarini tritt an dieser Generalversammlung als Präsident zuruck. An seine Stelle wurde Edi Berger gewählt. Im Jahresbericht für 1978 schrieb der neue Präsident, dass die Turnstunden wieder rege besucht wurden und dass man mit dem «vollen Ries» Volleyball spielen könne. Die nächste Veränderung im Vorstand erfolgte an der Generalversammlung vom 25. Februar 1982. Nach fünfjähriger Tätigkeit als Präsident trat Edi Berger zurück, aber er schlägt gleich selbst Fritz Stadelmaier als Nachfolger vor. Durch spontanen Applaus wurde Stadelmaier gewählt. Der Kassier Edi Joller und der Revisor Max Wydler demissionierten an der Generalversammlung vom 19. Februar 1986. Werner Würth und Paul Michael übernahmen die Nachfolge. 
1988 war ein wichtiges Jahr für die Seniorenriege, denn in diesem Jahr erfolgte der Austritt aus dem Kantonalturnverein und aus dem Kreisturnverband «Calanda», da die Senioren keine Wettkämpfe bestreiten würden und daher auch keine Kurse besuchen würden. Am Ende des Vereinsjahrs gab es wieder einen Wechsel im Präsidium. An Stelle von Fritz Stadelmaier übernahm Werner Würth das Amt. Der dadurch freigewordene Kassierposten wurde von Rudolf Mutzner übernommen, sodass der Vorstand für die nächste Zeit wieder vollzählig ist. 

Der Mitgliederbestand schwankte in all den Jahren stark. In den Protokollen der Siebziger-Jahre heisst es meistens, dass die Turnstunden durchschnittlich von 13 Mann besucht wurden. Es gab Jahre, da hatte die Mitgliederliste 46 Namen aufzuweisen. Heute sind es nur noch 22 Mitglieder. Sie stehen aber nicht nur auf dem Papier, sondern praktisch alle sind aktiv in der Halle. Der Jüngste ist 48-jährig, und der Älteste, der immer noch aktiv ist, ist im 84. Lebensjahr. Doch trotz des grossen Altersunterschiedes kennen wir kein Generationenproblem. 

Es ist Tradition, dass die Generalversammlung jeweils mit einem Essen eingeleitet wird. Wenn es der Stand der Kasse erlaubte, spendierte die Seniorenriege den Mitgliedern einen kleinen Imbiss. Sonst mussten die Mitglieder das vorgesehene Menu selbst berappen. doch der Preis bewegte sich in erträglichem Rahmen. Als Beispiel sei das Menu der Generalversammlung vom Jahr 1966 im Restaurant Rosengarten erwähnt. Es bestand aus einer Einlagesuppe, Rahmschnitzel, Teigwaren oder Reis und Gemüse und kostete Fr. 7.-. 
Obwohl die Seniorenriege in diesem Jahr 60-jährig wird, hatte sie nie Statuten. Die Geschäfte wurden kameradschaftlich gelöst und dazu braucht es keine Statuten. 

Nachdem 1952 die alte Turnhalle im Stadtbaumgarten abgebrochen worden war, wurde den Senioren in der Turnhalle des neuen Schulhauses im Stadtbaumgarten Gastrecht gewährt. Eines Tages hiess es aber, die Seniorenriege müsse eine andere Turnmöglichkeit suchen, da die bisher benützte Hallefür andere Zwecke benötigt werde. Man fand dann Unterschlupf in der alten Turnhalle der Kantonschule Sand. Sie war nur ein Notbehelf und die Mitglieder waren froh, als es hiess, dass die untere Turnhalle des Montalinschulhauses den Senioren zur Verfügung stehe. Doch auch hier gab es Probleme. Da die Halle nicht sehr hoch ist, landeten die Bälle oft an der Decke. Der Präsident Fritz Stadelmaier erreichte es, dass die Senioren ab 1990 die obere Halle, die wesentlich höher ist, benutzen können.
 
Es ist allgemein üblich, dass man nach dem Turnen zu einem Trunk geht. Früher gingen die Senioren ins Restaurant Bernina. Man diskutierte und man klopfte einen Jass und man fühlte sich wohl. Der Wirt mit Namen Gümy spendierte ab und zu eine Kleinigkeit. Im Jahr 1966 zog sich Gümy ins Privatleben zurück und das Bernina wurde umgebaut. Also wohin? Man probierte es im Rebleuten, im Splügen, im Rodeo bei der Turnerwiese und schliesslich im Restaurant Astoria. Das Astoria ist auch heute noch das Stammlokal, weil dort die Parkierungsmöglichkeiten für die Autos gut sind und weil für die Senioren stets ein Tisch reserviert ist. Man sitzt gemütlich beisammen und redetüber Tagesereignisse, aber zu einem Jass kommt es selten. Das hat sich einfach so ergeben.
 
Ja, die Seniorenriege ist ein lockeres Team, schon weil man keine Meisterschaften bestreiten will und weil man den unbeschwerten Plausch unter Gleichgesinnten sucht. Die Senioren turnen jeweils am Mittwoch Abend in der oberen Turnhalle des Montalinschulhauses. Jeden Abend wird nach dem Einlaufen Volleyball gespielt. Volleyball ist ein Spiel, das stets Anregung, Freude, Zusammenhalt, Kameradschaft und Ablenkung vom Alltag bringt.