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Geschichte


Die Vorgeschichte
 
Die Gründung des BTV Chur geht auf das Jahr 1842 zurück. Es war ein Turnverein für junge Männer. Bald zeigte es sich, dass die älteren Semester körperlich überfordert waren, vermochten sie doch der Intensität des Turnbetriebes nicht zu folgen. Bereits im Jahre 1859 spaltete sich deshalb eine Gruppe Männer vom BTV ab und versuchte es in eigener Regie. Dieser ersten Männerriege war ein Dasein von nur 14 Jahren beschieden, musste sie doch im Jahre 1873 wieder klein beigeben und aufgelöst werden. Aber auch danach fand man sich innerhalb des BTV nicht so recht, dazu waren die Altersunterschiede und wohl auch die Mentalität zwischen jung und alt zu gross, zu augenfällig. Es wurde deshalb abermals eine Zweiteilung des Vereins zur Diskussion gestellt, die gelang und dem BTV bis zum heutigen Tag zum Vorteil gereichte.
 
 
Die Gründung der Männerriege BTV
 
Drehen wir das Rad der Geschichte um gut 120 Jahre zurück. Damals gab es in Chur kaum Vereine und Parteien im heutigen Sinn. Organisiert war man vorwiegend in Berufsgruppen, in Zünften. Diese «Marktlücke», dieses Vakuum wurde dann durch die Gründung des neutralen, ungebundenen und nach keiner Seite verpflichteten BTV zum Teil geschlossen. Jetzt fand sich viel Prominenz von Chur im neuen Verein ein. Dem Namen nach war es ein Turnverein, doch geturnt wurde wenig bis gar nicht, gab es doch keine Hallen, keine Geräte und Utensilien, keine ausgebildeten Leiter, keine Turnbekleidung; dies alles steckte noch in den Anfängen. Es ging hier mehr um das «Sich-Treffen», um die Geselligkeit, die Kameradschaft. Die Männerriege ist denn auch vorwiegend ein Produkt dieser Bestrebungen.
 
Als Gründer der Männerriege gelten J. Leupin und A. Stecher und als Gründungsdatum wird das Jahr 1881 genannt. Akten darüber sind keine vorhanden. Irgendwie muss hier die Überlieferung gleichwohl gespielt haben, sind doch Namen, Daten und Begebenheiten in späteren Schriften festgehalten. Geturnt wurde meist nur im Winter und in Ermangelung von Hallen im Restaurant Rohrers Biergarten oder im Restaurant Metzgertor, genannt Metzg. Im Sommer begnügte man sich mit Wanderungen und viel später mit baden oder Schwimmen in der 1. Badi von Chur, im Sand. Es gab weder einen Vorstand noch Statuten. Der Männerriege standen einfach einige initiative und wohl auch anerkannte Persönlichkeiten vor. In verschiedenen Fällen waren es Lehrer der Kantonsschule oder andere «Grössen» der Stadt Chur. Die Männerriege war damals ein echter Prominentenklub, bestehend aus Lehrern, Besitzern von Handwerkbetrieben und Beamten. Der Bestand pendelte stets bei 40 Mitgliedern herum.
 
 
Die erste städtische Turnhalle
 
Eine beinahe epochale Bedeutung in der Geschichte des BTV kam im Jahre 1901 dem Bezug der ersten städtischen Turnhalle im Stadtbaumgarten zu. Jetzt verfügte man wenigstens über ein geeignetes Lokal und musste sich nicht mit einer Hinterstube oder einem Tanzsaal begnügen. Auch die Männerriege konnte sich in der Halle einen festen wöchentlichen Termin sichern. Der rege Turnstundenbesuch rief nun nach einer Reorganisation des Vereins. Jetzt bedurfte es eines eigentlichen Vorstandes mit einem Präsidenten und einem Oberturner. Verzichtet werden konnte hingegen auf einen Kassier und Aktuar/Protokollführer, gab es doch damals weder etwas zu berappen noch zu schreiben. Als Präsident zeichnete Robert Schür für die Geschicke der Männerriege verantwortlich und als Leiter/Oberturner stellte sich Heinrich Hauser zur Verfügung. Besondere Verdienste um den Verein erwarb sich Robert Schär, der 12 Jahre Präsident und weitere 14 Jahre Oberturner war.
 
 
Das erste noch vorhandene Schriftstück
 
Über die ersten 39 Vereinsjahre sind keine Akten greifbar. Vielleicht ging es damals ohne Papierkrieg oder es wurden die Unterlagen nicht aufbewahrt. Das erste noch vorhandene Schriftstück trägt das Datum des 20. Februar 1920.
 
Es handelt sich dabei um den Bericht des Präsidenten über das Vereinsjahr 1919/20 im Umfang von einer halben A4-Seite, abgefasst mit der Schreibmaschine. Daraus geht hervor, dass damals jeweils am Mittwochabend geturnt wurde, der Besuch zufriedenstellend war, der Verein jedoch eine Krise durchlief. An diesem Mittwochabend hat dann die Männerriege bis zum Herbst 1986, dem Bezug der neuen Gewerbeturnhalle, festgehalten.
 
Ein Satz im Bericht vom 20. Februar 1920 könnte heute geschrieben worden sein, beklagt sich doch der Präsident über den mangelnden Nachwuchs. Daran leiden wir auch heute. Der fehlende Nachwuchs war denn auch der Grund, weshalb die Männerriege im Jahre 1920 kurz vor der Auflösung stand. In einer «jetzt-erst-recht» Reaktion wurde jedoch beschlossen, dem Verein die Treue zu halten und neue Mitglieder zu werben. Diese Aktion war sehr erfolgreich. Rasch waren es wieder 40 Aufrechte, welche sich um das Wohl und den Fortbestand der Männerriege kümmerten. An der nächsten Generalversammlung herrschte wieder Zuversicht und Optimismus. Im Bericht des Präsidenten findet sich folgender Satz: «Die Männerriege ist jetzt die frisch-fröhliche Turnergesellschaft, wie sie es sein muss, die durch ihre Arbeit für sich selbst wirbt; möge sie es bleiben und weiter gedeihen zu Nutz und Frommen ihrer Turner und des Bürgerturnvereins.»
 
 
Die düsteren Vierziger Jahre
 
Die Vierzigerjahre wurden vom Kriegsgeschehen und von einem tragischen Todesfall innerhalb der Männerriege überschattet. Wenden wir uns vorerst den Kriegs- und Nachkriegsjahren zu.
 
Der Einbezug so vieler Männer in den Wehrdienst liess einen geregelten Turnbetrieb über Jahre nicht mehr zu. Es fehlte an allem, an den Turnern, an der Halle, weil diese oft über längere Dauer von Truppen besetzt war, an Geld, weil sich der Kassier im Militärdienst befand und deshalb den 1938 erstmals beschlossenen Jahresbeitrag von Fr. 1.- je Mitglied nicht zeit-gemäss erheben konnte, an Heizmaterial zur Erwärmung der Ersatzlokale oder der zuweilen nicht belegten Stadtbaumgartenturnhalle, an Tüchern für die Verdunkelung, ja sogar an Glühbirnen. Erst im Jahre 1947 konnten die Einschränkungen behoben und das eidgenössische Turnfest in Bern mit 16 Teilnehmern beschickt werden.
 
Tragisch endete im Sommer 1943 ein Ausflug der Männerriege auf die Spuntisköpfe oberhalb von Brambrüesch. Um die Mittagszeit entfernte sich der schon 16 Jahre im Amt stehende Oberturner Emil Guler, seines Zeichens Turnlehrer an der Kantonsschule, von seinen Kameraden, wollte er doch etwas unterhalb des Bergkammes Blumen pflücken. Als er noch einiger Zeit nicht zurückgekehrt war, wurde nach ihm gerufen und gesucht. Zum Entsetzen aller fand man ihn leblos unterhalb eines kleinen Felsbandes. Zum Andenken an Emil Guler ist noch heute auf den Spuntisköpfen ein Gedenkstein zu diesem tragischen Unglück zu finden.
 
Die Zeit danach
 
Noch den Kriegsjahren erfuhr auch die Schweiz auf vielen Gebieten eine umfassende Erneuerung, die auch die Männerriege erfasste. Der Turnbetrieb unter der Leitung des fast «legendären» J. U. Gabathuler erhielt neuen Auftrieb, Turnfeste fanden wieder statt und wurden auch besucht, das Faustballspiel hielt erstmals in Graubünden, und zwar in der Männerriege BTV Chur, Einzug. Ausflüge und Familienfeste gelangten zur Durchführung, die ersten Statuten wurden erlassen, ein Vizepräsident bestellt, und innerhalb des Vereins entstanden ein Chörli und sehr rege besuchte regelmässige Jasszusammenkünfe. Unter der Leitung des Präsidenten Anton Durisch, des Oberturners Hanueli Gabathuler und des Chörlidirigenten Hans Tanner gelangte die Männerriege zu etlichen Höhepunkten, sei es im Faustball mit der Erringung mehrerer Bündnermeistertitel, durch den Besuch verschiedener Turnfeste oder in gesellschaftlicher Hinsicht mit der Organisation von eigenen Familienanlässen und Ausflügen. Man segelte jetzt unter einer eigenen Flagge und nicht mehr ausschliesslich unter derjenigen des Gesamt-BTV. Mit rund 90 turnenden, singenden oder jassenden Aktivmitgliedern, die den verschiedensten Berufen und Schichten der Stadt zugeordnet werden konnten, lief die Männerriege der in einer Krise steckenden Stammsektion ungewollt den Rang ab. Doch jede Epoche hat seine Besonderheiten. Dies bekam auch die Männerriege zu spüren. Langsam setzte ein nachlassendes Interesse ein. Beim Jassen wurden es immer weniger, das Chörli musste in Ermangelung von Sängern aufgegeben werden, beim Faustball lichteten sich die Reihen erheblich und sogar Turnfeste konnten nicht mehr beschickt werden. Einzig der wirkliche Sinn und Zweck des Vereins, der Turnbetrieb, blieb von dieser gesellschaftlichen Umgestaltung, von diesem Umbruch verschont, ja, er gewann sogar an Bedeutung. Während rund einem Vierteljahrhundert leitete Peter Greminger jeweils am Dienstagabend mit Herzblut die perfekt vorbereiteten Turnstunden, an denen durchschnittlich 40 Männerturner teilnahmen.
 
Die Gegenwart (2014)
 
Die Männerriege darf sich nach wie vor ein gutes Zeugnis ausstellen. Es ist zwar nicht mehr der vielseitige Verein der Fünfziger- bis Achtzigerjahre, dafür jedoch ein aktiver, beliebter und anerkannter Turnverein hauptsächlich für Männer im Pensionsalter. Das abwechslungsreiche Turnprogramm wird von verschiedenen Vorturnerinnen und Vorturnern geleitet und besteht aus einem Einlauf- und Lockerungsteil, gefolgt von Mannschaftsspielen.
 
Geturnt wird stets am Dienstag von 20.30 - 22.00 Uhr in der Dreifachhalle der Gewerbeschule. Der Turnstundenbesuch ist mit einem Mittel von 30 bis 40 Teilnehmern erfreulich. Doch auch heute lebt die Männerriege nicht vom Turnen allein. Seit vielen Jahren sind die diversen Anlässe und Treffen wie MR-Party, Frühlings- und Herbstausflug, Velotouren, Besichtigungen, Degustationen und Stamm nicht mehr aus dem Programm wegzudenken. Die Männerriege sucht auch den Kontakt zu den Familienangehörigen ihrer Mitglieder und zu den übrigen Sektionen des BTV. Sie fühlt sich auch heute als ein Teil des BTV. Nur eines betreibt sie nicht mehr, nämlich den Wettkampfsport im eigentlichen Sinn. Geturnt wird in erster Linie der Fitness zuliebe. Rekorde und Perfektionismus bei den Übungen sind ihr fremd. Kameradschaft, rücksichtsvolles und hilfsbereites Handeln sowie der gegenseitige Respekt stehen heute im Vordergrund. Dazu tragen alle Kameraden bei. Gerade deshalb ist die Männerriege mit ihren rund 70 Mitgliedern trotz den 135 Vereinsjahren noch immer aktuell und beliebt.


von Heinrich Castelmur
2015 überarbeitet von Albert Largiadèr


 
Präsidenten der BTV Chur Männerriege
1920 - 1921       Alfred Koprio                                  1977 – 1991 Heiri Castelmur
1922 – 1946      Christian Grass                            1992 – 1997 Josef Züger
1947 – 1958      Georg Fässler                               1998 – 2004 Gian Denoth
1959 – 1976      Anton Durisch                                2005 – 2014 Hans Adank
 2015 -                 Andreas Beusch